Wiedermal diese Routine. Status quo.

Hast du eine Routine? Oder besser gesagt viele Routinen hast du? Oder ist dein ganzes Leben eine Routine?

Routine“ – dieses Ding beschäftigt mich immer wieder. Ich habe schon einige Blogposts darüber geschrieben. Einmal habe ich eine Art Yogamorgenroutine beschrieben, ein anderes mal habe ich mich ein bisschen ausgeraunzt, dass mir gerade die Routine fehlt. Ja, wie man sieht, es geht auf und ab mit dem Thema. Ich spreche dabei immer von Routine im Sinn von: Jeden Tag den ziemlich exakt gleichen Ablauf zu haben bzw. einen Plan für eine Woche zu haben.

Vor kurzem hat mich eine Kundin nach dem Personaltraining gefragt: „Was soll ich denn jetzt jeden Morgen machen? Eher dehnen oder kräftigen oder zuerst dehnen und dann kräftigen oder umgekehrt?“

Ich habe einen Moment nachgedacht und dann gesagt: „Die nächste Woche mach es genau so, wie du dich fühlst und worauf du Lust hast, wenn du aufstehst.“
Meine Antwort verstörte sie ziemlich, da sie doch von mir ein Programm vorgegeben haben wollte.
Na soll ich nicht jeden Tag gleich gestalten?“ Wir haben dann lange über das Thema Trainingsroutine, Ablauf am Morgen und Tagesablauf generell gesprochen.

Sie ist mittlerweile in Pension und darauf angewiesen, ihre eigene Routine zu gestalten. Sie erklärte mir, wie wichtig es für sie sei, Fixpunkte an ihrem Tag zu haben, wie etwa ihre Bewegung am Morgen bevor sie frühstückt. Sie sagte, dass ihr Tag total unproduktiv sein würde, wenn sie nicht ihre Tage und Wochen durchplane. Zudem würde sie vieles einfach vergessen bzw. verabsäumen.

Ich konnte sie sehr gut verstehen. Mir geht es genauso – auch wenn ich nicht in Pension bin, sondern einfach nur selbstständig. Ich muss meine Tage planen und mir meine Abläufe durchorganisieren. Doch der Unterschied zwischen uns beiden ist, dass ich (MITTLERWEILE) ein anderes Verständnis von Routine bekommen habe.

 Lange Zeit dachte ich, ich brauche dringend meine Routine zurück und versuchte krampfhaft eine zu finden. Damals entstand auch dieser Blogpost zum Thema Routine suchen – finden. Es hat mich ziemlich nervös gemacht und irgendwie hat es gezwickt, dass ich nicht diese Routine hatte, die so vermisste. Wie meine Kundin hatte ich das Gefühl ohne meine tägliche Routine wäre ich total unproduktiv, ich würde keinen Schritt weiter kommen und ständig etwas vergessen. Noch dazu las ich gefühlte 120.000 Blogpost über die Routine von anderen Menschen. Ich probierte einiges aus und trotzdem hat es nie so richtig gepasst. Ratlos und rastlos ließ mich die Routine zurück.

Einmal mehr musste ich es lernen…

Vor unserem Abflug nach Costa Rica war an Routine gar nicht zu denken, nach unserer Ankunft hier natürlich auch nicht. Langsam beginnt sich eine Art Alltag einzupendeln, aber es gibt noch immer 1000 Faktoren, die den Alltag mit Leichtigkeit aus der schaukelnden Hängematte katapultieren.

Wie du vielleicht weißt, liebe ich den Morgen. Aufstehen, Hunderunde, Workout, Frühstück und dann arbeiten – das war immer so eine Art Routine, die ich sehr lange hatte. Diesen Ablauf habe ich einfach nicht mehr hinbekommen, vielleicht auch weil ich jetzt immer morgens unterrichte und so habe ich mich die letzten Wochen routinemäßig etwas gehen lassen. Ich bin morgens aufgestanden, sofort am Handy gehangen, habe nebenbei Kaffee gemacht, zwei bis drei Tassen Kaffee in mich hinein geleert und bin dann unterrichten gegangen. Mittags bin ich dann in der Hitze nachhause gefahren und habe meine erste, dafür riesige Mahlzeit in mich hinein gelöffelt. Danach war ich so erledigt, dass mein Körper mal Pause brauchte, um das alles zu verarbeiten. Ich war natürlich hungrig, habe am Abend dann nochmal eine riesige Portion verdrückt und bin angegessen schlafen gegangen. Das habe ich soweit getrieben, bis mein Körper total müde und erschöpft war, ich Verspannungen bekam und mich komplett unwohl fühlte.

Zuerst dachte ich natürlich in der alten Denkweise: „Wird schon vergehen, ein bisschen ausrasten und geht schon.“ Einmal mehr musste ich lernen, so funktionierte das nicht. Mein Körper begann zu schreien, dass das so nicht geht!

Okay, okay, dann habe auch ich es wiedermal gecheckt und endlich hingehört, also richtig hingehört und hingespürt. Was tut mir denn richtig gut? Nicht was finde ich super gemütlich, sondern was tut mir gut?! Auch wenn ich mich vielleicht dazu überwinden muss.

Und dann ging es Schlag auf Schlag. Verspannungen gingen weg, Essen hat sich wieder reguliert, Kräfte und Energien sind zurück.

Status quo: Zeitfenster statt Routine

Ich habe in den letzten Jahren viel über mich selbst, über meine Energien, über natürliche Zyklen und Energien, sowie über meinen eigenen Zyklus gelernt (und lerne weiterhin täglich), dass ich mich derzeit in keine Routine hineinpressen möchte/kann.

Ich schaffe mir jetzt lieber Zeitfenster für bestimmte Dinge. Zum Beispiel morgens habe ich ein Zeitfenster von ca. 90 Minuten. In diesen 90 Minuten ist Zeit für Bewegung, wie etwa Yoga, Mobilisieren und/oder ein kleines Workout, Meditation Frühstück und fertig machen für die Arbeit.

Aufstehen – Workout nach Trainingsplan – und weiter geht’s, das geht bei mir derzeit nicht oder vielleicht nie mehr. Keine Ahnung.

Zu Mittag gibt es ein Zeitfenster für relaxen, telefonieren, am Handy hängen, oder mit dem Handy in der Hängematte hängen, gemeinsame Zeit 🙂
Nachmittag gibt es dann wieder ein Zeitfenster für Computerarbeit. Ich habe dafür meine to-do-List, aber ich darf zu Gunsten kreativer Arbeit wie etwa Schreiben verworfen werden (außer es gibt super wichtige Deadlines).
Abends habe ich dann nochmal ein Zeitfenster für einen Spaziergang am Strand, Sport und anschließend für lesen, Podcasts hören, chillen, gemeinsame Zeit, Meditation.

Work in Progress 🙂

Vor- und Nachteile von Routine

Routine hat natürlich unglaublich viele Vorteile und ich kann verstehen, dass sehr viele Menschen eine Routine in ihrem Alltag brauchen. Eine Routine erleichtert ja auch vieles. Es nimmt dir zum Beispiel ab, jedes Mal aufs neue einen Ablauf organisieren zu müssen. Einmal eintrainiert, läuft die Sache. Wenn du der Typ dafür bist, ist das großartig. Es gibt auch viele Lebensbereich, die eine Routine erfordern.
Der Nachteil an der Routine für mich ist, dass sie mich faul werden lässt im Bezug darauf, auf mich selbst zu hören und hin zuspüren, was ich denn eigentlich gerade wirklich möchte und brauche. Dieser Prozess der Selbstbeschäftigung ist nicht einfach und ziemlich anstrengend. Deswegen habe ich auch immer wiedermal einen Durchhänger 🙂 Denn manchmal ist es der Körper, der dich anschreit, manchmal ist es der Kopf – und manchmal ist es das Ego. Doch mehr dazu das nächste Mal 🙂

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