Dein Paradies ist dort, wo du es dir schaffst

Ich bekomme ganz oft Nachrichten, Grüße, Bussis „ins Paradies“ geschickt. Schon bevor ich von Österreich weg geflogen bin, haben mir viele Leute gesagt, ich würde „ins Paradies“ fliegen. Jedes Mal wenn ich diese Worte „ins Paradies“ lese oder höre, bringt es mich zum Nachdenken.

Was ist denn eigentlich das Paradies? Oder was ist das, was sich die Leute unter dem Paradies vorstellen, wenn sie das zu mir sagen.

Alle, die noch nie hier fahren, stellen sich wahrscheinlich das vor, was sie im Internet sehen, von mir gepostet oder von anderen. Wie das auf Social Media so ist, sind das halt meistens tatsächlich paradiesische Auszüge. Genau so wie die Fotos, die ich vor kurzem wieder von Österreich gesehen habe: wunderschöne verschneite Landschaft. Paradiesische schön! Und überhaupt sehen wir tag täglich wunderschöne Bilder von tollen Orten, die wir paradiesischen nennen. Dennoch hat jedes Paradies auch diese andere Seite, die vielleicht nicht Instagram tauglich ist und sich auch gar nicht wie ein Paradies anfühlt.

Ich kann mich noch genau an die ersten Tage erinnern, als ich da „im Paradies“ ankam. Komplett verschwitzt, müde und erschöpft sperrten wir vollgepackt mit unseren Rucksäcken die Tür zu unserem neuen Haus auf. Fünf Fahrrad Minuten entfernt vom Strand, direkt neben dem Dschungel mit einem süßen Garten, alles saftig grün. Doch alles was ich in diesem Moment wollte, war, aufs Klo zu gehen und mich danach hinzulegen. Doch wir hatten weder Klopapier noch Bettzeug. Wir hatten eine nackte Matratze – und das war schon ein Geschenk. Es fühlte sich so gar nicht paradiesisch an.

Vor einigen Tagen fuhr ich morgens zu meiner Yogastunde. Der Weg führt den Strand entlang und ich war wieder einmal beeindruckt von der wunderschönen Kulisse. Die schönen Palmen, das Meer, der Sandstrand. Ich blieb (wiedereinmal) stehen, um den Moment und die Kulisse zu genießen. Ich bin so dankbar dafür. Doch ich bin nicht dankbar dafür, dass ich im Paradies wohne, denn meiner Meinung nach wohne ich nicht im Paradies, auch wenn es hier wunderschön ist. Ich bin dankbar dafür, dass es so viele Momente in meinem Alltag gibt, die mich anhalten lassen, um sie wahrzunehmen und sie zu genießen.

Übrigens muss ich diesen wunderschönen Weg auch entlang fahren, wenn es schüttet wie aus Kübeln, ich komplett nass bin, mein Rucksack voller Gatsch ist, der vom Hinterrade herauf spritzt und dicke Wolken über uns hängen, so dass das Meer eher bedrohlich als paradiesisch wirkt. Ich blieb in dieser Situation übrigens noch nie stehen, um den Moment zu genießen. Doch ich habe durchaus auch manchmal meinen Spaß wenn ich komplett nass durch den Regen fahre.

Was ich damit sagen will, ist, dass es einfach ist, etwas paradiesisch darzustellen, vor allem mit den modernsten Handykameras und Bearbeitungsprogrammen. Ein Sandstrand mit Palmen sieht an einem sonnigen Tag immer wunderschön aus. Die Kombination von türkisem Wasser, Sonneschein und saftigen Pflanzen kann keine noch so schlechte Kamera der Welt in ein schlechtes Licht rücken. Doch das heißt noch lange nicht, dass das DEIN Paradies ist.

Vor kurzem war es so heiß, dass ich in meiner Arbeitspause zu Mittag am Strand stehen blieb und mit meinem gesamten Gewand ins Meer sprang. Herrlich oder?! Ich bin herum gesprungen wie ein kleines Kind und habe jede Sekunde geliebt. Ich konnte nicht genug bekommen von der schönen Umgebung, so dass ich mich zig Male im Kreis gedreht habe. Komplett nass, voller Sand am ganzen Körper (weil die Wellen ziemlich stark waren und ich keinen Bikini an hatte sondern normales Gewand) und einem großen Smile im Gesicht fuhr ich mit meinem Rad nachhause. Der Plan war: duschen – essen – kurz chillen – zurück zur Arbeit. Der Plan wurde durchkreuzt, als ich unter der Dusche stand und kein Wasser hatte. Das passiert leider manchmal, wenn es lange nicht geregnet hat. Wasser sparen ist hier keine Metapher, die man sich vorsagt, weil man ein besserer Mensch sein will. Nein, es muss hier wirklich gelebt werden, denn es gibt Tage, da kommt einfach nichts aus der Leitung. Tja, die Welt abseits der Schokoladenseite des Paradies.

Jedes noch so schöne Foto, jeder noch so toller Lebensstil, jedes noch so grandiose Abenteuer, jeder noch so ruhige, entspannende Tag hat eine zweite Seite.

Es kommt darauf an, welche Seite du anschauen möchtest und welche Bedeutung du der jeweils anderen Seite zu schreibst. Hat die Schokoladenseite so große Bedeutung für dich, dass die unperfekte Seite dich trotzdem glücklich macht und du sie als natürliche Balance zur perfekten Seite sehen kannst. Dann ist das wahrscheinlich dein Paradies.

Ist die unperfekte Seite total inakzeptabel für dich, so dass du dich so sehr darauf fokussierst und die Schokoladenseite keinen positiven Wert für dich hat, dann ist es wohl nicht dein Paradies.

Das hat viele positive Aspekte.

  1. Dein Paradies kann überall sein.
  2. Du kannst dein Paradies überall hinbringen, wenn du deine Sicht auf die Dinge änderst.
  3. Jede und jeder von uns hat ein anderes Paradies.
  4. Wir müssen daher auf niemanden neidisch sein, denn wir haben es selbst in der Hand, unser Paradies zu schaffen.
  5. Du kannst dich von anderen inspirieren lassen bei der Erschaffung des eigenen Paradies, in dem du einfach nach fragst, warum sie gerne da oder dort leben (würden). Und was sie an ihrem eigenen zuhause oder an dem was sie machen so toll finden.
  6. Dein Paradies muss nicht für immer gleiche sein, ändere die Sicht auf die Dinge und du erschaffst ein neues Paradies.

Für all das brauchst du vielleicht ein bisschen Mut, genauer auf dich selbst zu hören und mal nachzufragen, WAS (nicht unbedingt wo) denn eigentlich das Paradies für dich ist. Doch das ist ein bezahlbarer Preis, um dann das Paradies zu leben oder?

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.