Bist du noch auf der Suche nach dir selbst?

Als ich nach meinem ersten längeren Aufenthalt in Costa Rica zurück nach Österreich kam, erhielt ich das eine oder andere mal die zynische Frage: „Und hast du dich jetzt gefunden?“

Meistens habe ich als Antwort nur gelacht um meine Verständnislosigkeit zu verstecken. Ich bin doch nie dorthin gefahren, um mich selbst zu suchen. Solche Sätze sagen meist mehr über die Person aus, die sie sagt, als über jene, an die der Satz gerichtet ist.

Ich wusste, ich möchte etwas ändern in meinem Leben. Ich brauchte etwas neues, etwas anderes. Ich wusste auch, um diese Veränderung zu erreichen, muss ich mich sehr intensiv mit mir selbst beschäftigen, einigen Wahrheiten tief in die Augen schauen, mich auf mich selbst fokussieren anstatt auf die laute Welt um mich herum. Aber ich musste mich nicht selbst finden.

Ich finde mich jeden Morgen selbst, wenn ich aufstehe und mich in den Spiegel schaue. Das ist nicht immer erfreulich, was ich da sehe, aber ich versuche es mit einem Lächeln zu nehmen.

Zurück zur Ernsthaftigkeit…

Tatsächlich habe ich viel über mich selbst gelernt und neue Seiten, Interessen und ein neues Leben entdeckt. Ich habe meinen Horizont in vielerlei Hinsicht erweitert. Es war wie ein ganzheitlicher Clash. Neues Leben, neues Land, neuer Job, neue Sprache, Ausbildung, Bewusstseinsarbeit, tausende Kilometer entfernt von Familie und FreundInnen und und und. Also wirklich jeder meiner Lebensbereiche wurde komplett umgekrempelt. Natürlich warf mich das ziemlich aus der Bahn und ich fühlte mich für einige Zeit ziemlich instabil. Lustigerweise nicht während der Zeit in Costa Rica, sondern erst als ich wieder nachhause kam.

Deswegen kann ich auch jede/n verstehen, der oder die nach langer Zeit wieder zurück in die Heimat kommt, dass man irgendwie verwirrt ist.

Ich bin nicht weg gefahren, um mich zu suchen und selbst hätte ich das gemacht, hätte ich mich nicht gefunden. Was mich da so sicher macht, sind die Geschichten und Erfahrungen von anderen, die ähnliches gemacht haben. Manche sind tatsächlich mit der Intention von zuhause weggegangen, sich selbst zu finden. Als sie dann wieder zuhause angekommen sind, haben sie sich alle verwirrter gefühlt als jemals zuvor und ziemlich „lost“.

Die meisten hatten ihren neuen Weg erst nach einigen Monaten zurück in der Heimat gefunden. Wenn sie soweit waren, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und zu reflektieren, erst dann legte sich diese „Verwirrtheit“ etwas.

Niemand sagt (dir), was richtig ist

Ich habe eine wichtige Erfahrung gemacht, die andere auch gemacht haben. Egal wie weit und wie lange du reist, egal wovon du davon läufst oder wie sehr du dich sehnst die richtige Richtung zu finden. Nichts davon passiert ganz einfach. Du musst deine eigenen Schritte gehen und der Beginn eines jeden Schritts ist deine Entscheidung. Manche Entscheidungen passieren ganz bewusst, manchmal passieren sie unbewusst. Manche Entscheidungen treffen wir nach rationalen Kriterien und manche nach Intuition.

Entscheidungen zu treffen sind eine riesen große Herausforderung. Es heißt nämlich von 1 Million möglichen Wegen einen auszuwählen und die anderen 999.999 hinter sich zu lassen. Der Segen unserer „uns-stehen-alle-Türen-offen“ – Generation ist gleichzeitig auch ein Fluch. Egal was wir machen, egal wo wir hingehen, egal was wir vorhaben – immer gibt es tausend Möglichkeiten. Ich selbst leide oft darunter in der Freizeit ebenso wie mit meiner Arbeit. Entscheidungen treffen und einen Fokus legen sind Höllenentscheidungen – und dann sollen sie auch noch richtig sein.

Nein, müssen sie nicht! Ich finde es besser, einfach mal einen Schritt zu machen. Wir sind alle Menschen, Fehler sind Erfahrungen und Abenteuer. Es ist besser 5 falsche Schritte zu machen und dabei zu lernen, als darauf zu warten, bis man endlich diesen einen perfekten Schritt setzen kann. Aus dieser Perspektive wird nämlich unser Generationenfluch der vielen Möglichkeiten wieder zum Segen. Es gibt soviel zu lernen, soviel zu entdecken, so viel zu sehen. Da möchte man doch hineinspringen ins Leben und sich umschauen.

Mir hilfte eine bestimmte Vorstellung beim Treffen von großen Entscheidungen oft. Das ist die Idee, dass das Leben ein Zyklus bzw. ein Kreis ist. Man kommt an gewissen Punkten immer wieder vorbei und kann sich dann wieder von neuem umschauen und entscheiden. Vielleicht sind die Bedingungen anders, doch das bringt neue Chancen. Das hat für mich eine sehr beruhigende Wirkung.

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