Warum ich einfach keinen Jahresvorschau-Beitrag schreiben kann

Alle tun es zur Zeit. Man liest es überall und von jedem. Es gibt unterschiedliche Schwerpunkte, verschiedene Aspekte, aber dennoch kann man viele der derzeitigen Blogposts grob in zwei Kategorien einteilen: Jahresrückblick und Jahresvorschau. Die RückblickerInnen fassen zusammen, was sich alles aufregendes getan hat im letzten Jahr, was sie (nicht) geschafft haben und welche Hochs bzw. Tiefs sie hatten. In der Kategorie Fitness gibt’s zur Untermauerung die Zusammenfassung von Trainingsresultaten sowie Transformationsbilder und -videos. In der Kategorie Yoga zeigen viele den Verbiegungsfortschritt.

Die VorausschauerInnen beschreiben ihre Ziele und Vorsätze für das neue Jahr. Dinge, die sie heuer endlich anders machen werden. Mehr fokussieren, weniger arbeiten, mehr aus sich selbst schauen, Bucketlist abarbeiten und ähnliches findet sich darunter meist. Im Fitnessbereich gibt es dann noch die großen Trainingsziele bzw. Bewerbe für das kommende Jahr. Und na klar, beinahe jede(r) hat ein großes Projekt worüber man keinesfalls schon sprechen darf, aber bald gibt es mehr dazu.

Versteh‘ mich nicht falsch, ich möchte mich darüber nicht lustig machen. Im Gegenteil, ich lese sie gerne. Viele dieser Artikel sind interessant, inspirierende und es macht Spaß sie zu lesen. Sonst würde ich meine Zeit nicht damit verbringen, sie zu lesen.
Und ganz ehrlich: Ich würde auch gerne einen Jahresplanartikel schreiben. Aber ich kann es einfach nicht. Die typischen Neujahrsvorsätze sind grundsätzlich nichts für mich, das habe ich hier schon mal erwähnt. Den Rückblick mache ich meist nur für mich selbst.

Warum ich keine Neujahrsartikel schreiben kann?

Ich bin unfähig Jahrespläne zu machen denn egal was ich für mein kommendes Jahr plante, es kam immer komplett anders. Zumindest traf das auf die letzten Jahre so zu. Die letzten zwei Jahr waren von intensiver Veränderung geprägt und das nächste Jahr wird noch einmal komplett anders (das ist zumindest der Plan). Es gibt die eine oder andere Idee, wie sich die Dinge heuer entwickeln könnten, aber ganz ehrlich – wer weiß das schon?! Aus der Vergangenheit habe ich gelernt, dass es ziemlich wahrscheinlich anders kommt, als mein Plan es geplant hat. Oder vielleicht waren meine Pläne immer schlecht.

Es kann aber auch daran liegen, dass meine Pläne nie so konkret waren, weil ich mich dadurch gedanklich immer ein bisschen eingeschränkt gefühlt habe. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich durch einen zu konkreten Plan nicht offen für anderes bin oder neues vielleicht übersehen könnte. Zugegeben war es dadurch nicht immer leicht, meinen Fokus zu finden bzw. zu behalten. Gleichzeitig denken ich, dass sich viele spannende Dinge genau deswegen ergeben haben, weil ich versucht habe den Blick offen zu halten.

Wenn man so durchs Netz surft, wird immer behauptet man müsse sich Ziele setzen. Und jedes Ziel muss in lang-, mittel- oder kurzfristig kategorisiert und miteinander vernetzt werden. Und auch ich frage immer Ziele ab, wenn ich mit KundInnen trainiere. Doch ich dränge nie jemanden dazu ein langfristiges Ziel zu finden, wenn es gerade nicht geht. Denn ich habe tiefes Verständnis, dass das total schwer ist und oft gibt es einfach kein langfristiges Ziel oder man möchte sich noch nicht festlegen.
Für mich persönlich hat sich in den letzten Jahren immer mehr gezeigt, dass der Weg das Ziel ist. Manche Dinge erreicht man dadurch vielleicht nicht so schnell, weil man nicht soooo fokussiert ist, als wenn das Ziel das Ziel ist. Doch vielleicht ist diese Ziel-, Plan- und Fokussierungssache einfach nur ein Ausguss einer Leistungs- und Highspeedgesellschaft und vielleicht ist es ohne auch ganz okay.

Der Weg ist das Ziel

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