Yoga und mein Umgang mit Unverbindlichkeit

Die ersten Postings, die man zu Yoga findet, wenn man sich durch facebook, instagram oder pinterest klickt, sind extreme Posen und Tipps wie Yoga beim Abnehmen hilft. Beides hat seine Berechtigung, hat für mich aber keine Priorität. Ich stelle selbst gerne Bilder auf Instagram, doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt meiner Yogapraxis. Das was Yoga eigentlich für mich ist, lässt sich in einem Bild schwer darstellen. Denn Bilder beziehen sich auf Äußerliches, auf die Oberfläche eines Menschen.

Yoga abseits der Matte

Der indische Gelehrte und Verfasser des Yogasutra Patanjali schrieb darin über die acht Pfade des Yoga (the eight limbs of yoga). Ich möchte hier jetzt nicht weiter auf die Bedeutung und die Hintergründe dazu eingehen. Dazu gibt es viele Artikel, wie etwa diesen. Was ich damit aber zeigen möchte, ist, dass sich nur einer dieser Pfade auf körperliche Posen bezieht:

  1. Yamas – der Umgang mit der Umwelt
  2. Niyamas – der Umgang mit sich selbst
  3. Asana – der Umgang mit dem Körper
  4. Panayama – der Umgang mit dem Atem
  5. Pratyahara – der Umgang mit den Sinnen
  6. Dharana – Konzentration
  7. Dhyana – Meditation
  8. Samadhi – Das Höchste: die innere Freiheit

Nur der dritte Pfad bezieht sich ausschließlich auf die Durchführung einer körperlichen Übungsabfolge auf der Matte. Alle anderen Pfade beziehen sich auf das Leben auf aber vor allem abseits der Yogamatte.

Unverbindlichkeit, das Laster unseres Zeitalters

Etwas womit ich immer wieder zu kämpfen habe, ist Unverbindlichkeit. Es ist tatsächlich ein Laster des Zeitalters SMS, WhatsApp, email, facebook. Ich praktiziere es genauso leidenschaftlich, wie ich darunter leide.

Man bekundet generell so oft wie möglich Interesse, denn ein „ich bin dabei“ ist ebenso schnell geschrieben wie ein „teilnehmen“ angeklickt ist. Die Sache ist nur, ein „ich kann doch nicht“ oder „absagen“ ist genauso schnell verfasst. Am schnellsten geht es eigentlich, wenn man sich gleich gar nicht meldet. Und zum Glück muss man sich nicht mit Nachfragen oder der Enttäuschung anderer Personen auseinander setzen, denn man sieht und hört sie ja gar nicht. Dass hinter Veranstaltungen, Terminen, Treffen vielleicht Freude, Vorbereitungen und Erwartungen stehen, klickt man sich damit gleich aus dem Kopf. Und so springt man fröhlich durch die Welt in der man sich immer das beste herausholt und alles, was gerade nicht perfekt in den Tagesablauf passt, weg klickt.

Mitgefühl, auch wenn’s zwickt

Ja, um das zu erkennen, braucht man wirklich kein Yoga. Und für den Vorsatz: Ich sollte mich vielleicht mehr an meine Zusagen halten“ auch nicht. Wobei mir Yoga allerdings sehr viel geholfen hat, ist Mitgefühl aufzubringen für andere Personen in dieser Situation. Na klar, das zwickt manchmal. Denn wenn ich mir in dem Moment meiner Absage, die andere Person vorstelle und ihr Gefühl, wenn sie meine Nachricht liest (oder wartet und nie eine Nachricht von mir erhält), dann wird es gleich viel schwieriger, ganz einfach nebenbei abzusagen. So richtig hart wird es, wenn man sich vorstellt, wie sich die andere Person freut, wenn man die Zusage einhält. Dann ist es eigentlich schon nahezu unmöglich einfach abzusagen, nur weil man vielleicht etwas besseres (?) zu tun hat.

Ja, das ist alles gar nicht so leicht. Genauso wie tatsächlich anzurufen und persönlich abzusagen, auch das ist für die heutige Gesellschaft, ich mitten drinnen, eigentlich schon Hardcore.

Ich stecke erst in den Anfängen, mein eigenes Verhalten hier zu ändern und auch die Gelassenheit aufzubringen, dass ich andere nicht ändern kann. Yoga hat mich darauf aufmerksam gemacht und hilft mir jetzt auch, den Umgang mit meiner Umwelt zu verändern. Ich lerne und praktiziere jeden Tag. Manchmal läuft es gut, manchmal weniger. But never give up! <3

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