Manuel Antonio: Katastrophale Anreise in die Touristenmetropole

Den letzten Blogbeitrag schrieb ich im Bus von Puerto Viejo nach San José. Online ging der Beitrag als ich früh morgens in meinem Stockbett in Jacó saß, einem Ort, in dem wir eigentlich nie sein sollten. Doch eines nach dem anderen.

Nach unserer Berechnung brauchten wir mit dem Bus von Puerto Viejo nach San José rund 6 Stunden, eine Stunde Aufenthalt und dann noch einmal 3 Stunden nach Manuel Antonio, einem Ort an der Pazifikküste von dem uns nur so vorgeschwärmt wurde.

In San José angekommen erfuhren wir, dass es einen Streik gibt und der nächste Bus nach Manuel Antonio erst am Montag ginge. Eine Katastrophe für uns, denn erstens wollten wir keine Minute länger als notwendig in der Hauptstadt bleiben und zweitens hatten wir dann de facto nur einen gemütlichen Tag dort. Ein netter Taxifahrer half uns und brachte uns durch den schlimmsten Stau vor dem Wochenende raus aus der Stadt zu einer Bushaltestelle, wo angeblich ein Bus an die Küste fahre. Er reservierte drei Tickets und nahm uns einiges an Geld dafür ab. Wir saßen insgesamt zwei Stunden bei ihm Auto und konnten uns nicht entscheiden, ob wir kotzen oder sterben wollten – oder einfach eines nach dem anderen?! Egal auf welche Straße er bog, alle stand und die Minuten bis zur Abfahrt liefen. Er war mindestens genauso angespannt wie wir, so dass wir alle kein Wort sprachen. Das Problem war, dass wir dadurch auch nicht darüber sprachen in welchen Bus wir jetzt eigentlich springen werden und wo wir genau hinfahren. Wir kamen in letzter Minute zu der Bushaltestelle.

Reise nach irgendwo

Müde und ohne Plan ergatterten wir einen Stehplatz und stellten uns auf eine dreistündige Fahrt im Stehen ein – wohin auch immer. Doch Glück braucht der Mensch, nach der halben Fahrtzeit hatten wir alle drei einen Sitzplatz – am Boden. Kurz vor Ausstieg saßen wir dann auf Sitzen. Bis dahin wussten wir immer noch nicht, wohin wir fuhren bzw. ob der Bus überhaupt Manuel Antonio fahre. Das konnte uns auch niemand um uns herum sagen und der Busfahrer sprach kein Englisch. Gegen 21 Uhr spuckt uns der Bus dann in irgendeiner Stadt aus, die auf jeden Fall nicht Manuel Antonio war. Taxis waren zu teuer und Bus fuhr keiner mehr. Also mussten wir ein Zimmer in Jacó nehmen. Zumindest konnte wir dank Google Maps und dem Nachtportier eines Hotels heraus finden, wo wir uns überhaupt befanden und wie weit es noch nach Manuel Antonio war, nämlich zwei Stunden Busfahrt.

Müde und grantig marschierten wir ins nächste Hostel und bekamen zum Glück auch gleich ein Zimmer. Kurz danach saßen wir in einem Lokal darunter bei aufgewärmter Tiefkühlpizza (unglaublich, dass Viki und Nasti dafür Geld bezahlen mussten) und gebratenem Reis mit Huhn. Ich klammerte mich an mein Bier und hoffte einfach nur, dass die Weiterreise reibungslos verlaufen werde.

Unerwarteter Cultureclash

Und so war es bis auf eine kleine Busverspätung auch. Insgesamt 26 Stunden nach dem wir Puerto Viejo verlassen hatten, checkten wir in einem Hostel in Manuel Antonio ein. Der Wunsch, den ich eng umschlungen mit meinem Bier aussprach, wurde zwar erfüllt, das machte die Sache jedoch nicht besser. Wir erlebten den schlimmsten Cultureclash und waren den ersten Tag einfach nur geschockt. Manuel Antonio war voller Touristen, Liegebetten und Sonnenschirme am Strand, Menschen, die dich anbrüllten, um ihre Aktivitäten zu verkaufen, ein hoffnungslos überfüllter Eingang zum Nationalpark und ein Verkehrschaos.

Wir hatten unser Paradies Puerto Viejo verlassen, um durchs ganze Land zu dem so angepriesenen Ort Manuel Antonio zu fahren…und dann das. Ich kam mir vor, wie in einem amerikanischen Park, in dem ein Küstenstrand nachgebaut wurde. Insgeheim spielten wir alle mit dem Gedanken, wieder nach Puerto Viejo zurück zu fahren. Doch wir wussten, dass das unmöglich war, da aufgrund des Streiks keine Busse aus San José raus gehen und alle anderen Reisemöglichkeiten mindestens genauso aufwendig und viel zu teuer waren. Am Nachmittag saßen wir in einer Bar und machten Pläne für die verbleibenden Tage. Mit Hilfe eines Surflehrers, der sich zu uns setze, funktionierte das auch ganz gut und unsere Stimmung stieg wieder.

Sightjogging hat sich wieder ausgezahlt

Ich ging ein bisschen deprimiert ziemlich früh schlafen und war umso früher wach, um laufen zugehen. Das Dorf Manuel Antonio liegt am Ende eines Hügels, der umgeben war von wunderschönen Sandstränden. Ich lief den Hügel rauf und entdeckte dann tatsächlich einen Weg zu einem Naturstrand. Als ich dort angekommen war, konnte ich einige Minuten einfach nur schauen. Vor mir lag ein wunderschöner Strand, umrundet von Palmen und dahinter zog sich ein Stück Wald den Hügel hinauf. Die Sonne schien bereits und ließ die Wellen beim Brechen richtig leuchten. Nur wenige Menschen und standen an dem Strand und genossen die Momente.

Nach dem Frühstück brachte ich die Mädels zu dem Strand. Okay, wir sind uns ein bisschen vergangen, weil ich dachte, man komme auch über einen anderen Weg dorthin, aber wenig später erreichten wir schweißgebadet den Sandstrand. Nur, dass er jetzt nicht mehr einsam und verlassen war, sondern sich mittlerweile ziemlich viele Leute dort einfanden. Egal, es war viel schöner als der Strand direkt in Manuel Antonio und so genossen wir einen entspannten Tag dort. Viel mehr als in der Sonne brutzeln, lesen, Musik hören und schwimmen, stand nicht am Programm.
Am Abend gab es herrliches Essen bei Emilio’s, einem Lokal mit wunderschöner Aussicht über die Bucht. Wir haben nur mehr zwei Tage hier, daher lassen wir jeden Abend die letzten beiden Wochen Revue passieren und bekommen jedes Mal einen Lachkrampf. Aber noch ist es nicht vorbei 😉

PURA VIDA!

 

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