Beeindruckende Beobachtungen in Turtletown und Hosen gestrichen voll

Früh morgens holte uns ein Guide von unserer Hostel-Höhle in La Fortuna ab („It looks like a cave“, sagte der Typ von der Shuttleorganisation als ich ihm zu beschreiben versuchte, wo wir wohnen – er hatte Recht). Und rund vier Stunden Busfahrt später setze er uns vor einem Boot, das uns auf die kleine Insel Tortuguero bringen soll, wieder ab. Es herrschte ein bisschen Chaos (wie immer wenn wir wo auftauchten), dann war jedoch rasch klar, dass unser Boot in Kürze abfuhr.
Viki und Nasti gingen in den Warteraum, während ich noch schnell mein Handy aus dem Rucksack, der schon auf dem Boot verstaut war (verstaut = Übertreibung), holte. Rund 90 Sekunden später kam ich zu ihnen, als ein Mann auf sie einredete und ihnen gerade Touren verkaufte.

„Mädels, uns wurde geraten, wir sollen uns hier von keinem Guide anreden lassen. Was macht ihr da?“ (ich)
„Na der erklärt uns gerade die Touren.“ (Nasti + Viki)
Er war noch so nett die Preise und seinen Namen aufzuschreiben „Augusto“ und dann war er nie wieder gesehen. Kopfschüttel

Anschließend redete noch ein Typ von einer echten Organisation in gebrochenem Englisch auf uns ein und wir buchten tatsächlich zwei Touren.
Kurz danach befanden wir uns in einem Boot, rund 10 cm über dem Wasser in einem Kanal durch den Nationalpark. Es stieg ein bisschen Nervosität auf, als wir bemerkten, dass uns das Wasser gefährlich nahe kam und wir wahrscheinlich über hunderten von Krokodilen schwimmten. (Wir sind übrigens die Meisterinnen der Übertreibung!) Und prompt war unser Fahrer so nett und blieb vor einem stehen, damit alle verrückten Touristen in dem Boot ordentlich fotografieren konnten. Dem Krokodil war’s komplett wurscht, uns aber nicht.
Wir hatten die Hosen gestrichen voll und waren davon überzeugt, wir würden keine Stunde in diesem Boot hier überleben… und haben es – oh Wunder – doch geschafft. Und es war sogar ziemlich beeindruckend.

Von dem engen Kanal fuhren wir in breiteres Gewässer ein Stück unter der Grenze von Nicaragua. Überall hingen die Bäume über das Wasser und der Wald war wunderschön grün. Das Wasser ist jedoch komplett braun, was mit den Ästen und Blättern aus den Wäldern zu tun hat, die ins Wasser fallen, wie wir am nächsten Tag erfahren sollten.
In Tortuguero angekommen, einer Insel, die einen Kilometer lang und an der breitesten Stelle 400 Meter breit ist, brachten uns ein Guide zu einem tollen Hostel, den Cabinas Tortuguero. Es wird von einer jungen deutschen Frau geführt, die das Hostel vor einigen Jahren gekauft hat. An jeder Ecke spürt man hier PURA VIDA. Mir hat es richtig gut gefallen und diese Unterkunft kann ich allen, die mal hier herkommen ans Herz legen.

 

 

Nachdem wir Zimmer, Bargeld und Touren organisiert haben, belohnten wir uns mit einem Nachmittag am naturbelassenen Strand der Karibikküste. Endlich konnten wir die Füße ins Meer halten, in den Wellen herum springen und die Stimmung genießen. Mir hat der Strand sehr gut gefallen, weil er einfach nichts mit einem Strand voller Touristen, Liegen, Sonnenschirmen etc. zu tun hat. Hier ist nichts anderes als schwarzer Sand, Meer und Bäume. Ich hätte hier noch ewig sitzen können.

Doch wir mussten weiter zu unserem Abendprogramm – der Nachtwanderung zu den Schildkröten. In strömenden Regen liefen wir nach einem schnellen Abendessen zum Treffpunkt mit unseren Guides. Es war bereits acht Uhr und finster, als wir starteten.

Wir gingen rund eine halbe Stunde in den geschützten Bereich und warteten dann, bis unsere Gruppe von einem Ranger abgeholt wurde. Es schüttete noch immer, doch wir waren so aufgeregt, dass uns das nichts aus machte.
Und tatsächlich trafen wir auf eine riesige Schildkröte, die gekommen war, um ihre Eier abzulegen. Sie war rund einen Meter lang und wog 200kg. Wir durften sie dabei beobachten, wie sie sich vom Nest wieder langsam zurück ins Meer schleppte. Es war wahnsinnig beeindruckend eine Riesenschildkröte in der Natur aus nächster Nähe beobachten zu können. Doch nicht nur das. Auch auf einem kilometerlangen Strand zu stehen, bei strömenden Regen und Gewitter ist ein gewaltiges Naturereignis. Der Regen peitscht einem ins Gesicht, gleichzeitig werden die Wellen mit voller Wucht an den Strand geworfen und immer wieder lässt der Himmel einen Blitz mit anschließendem gewaltigen Donner los.

Es hört sich vielleicht etwas furchterregend an, aber das war es absolut nicht. Es war toll und ein einzigartiges Erlebnis.

Leider konnten wir auf keine weitere Schildkröten mehr warten, da sich der Regen und das Gewitter weiter verstärkten. Wir liefen den langen Weg zurück zu unserem Hostel. Nass war für unseren Zustand gar kein Ausdruck. Ich glaube, ich bin nicht einmal unter der Dusche so nass, wie ich an diesem Abend wurde. Aber es hat sich ausgezahlt.

Noch ein kleiner Lacher am Rande: Nasti beschwerte sich, dass ihre Jacke überhaupt nicht Regen abweisend wäre und alles durchgehen würde. Bis sie bemerkte, dass die Jacke am Oberarm komplett aufgerissen war. Wiedermal ein Brüller.

Abschließend ein paar Sätze zu Tortuguero. Die Insel inmitten des Naturschutzgebietes mit Schildkrötenforschungszentrum ist ein sehr winziger, durchaus touristischer Ort. Man kommt ausschließlich mit dem Boot oder einem Flugzeug auf die Insel, die man in rund 20 Minuten abgegangen ist. Natürlich werden Wanderausflüge, Kajak-, Kanu- und sonstigen Touren angeboten, dennoch hat die Insel abseits der Touristenattraktionen einen besonderen Flair. Die Kleinheit der Insel erweckt ein Gefühl der Vertrautheit.

Ein bis zwei Nächte hier zu bleiben, zahlt sich auf jeden Fall aus. Aber ACHTUNG: Unbedingt vorher noch Bargeld checken, dort ist es nahezu unmöglich eines zu bekommen. Wir haben es trotzdem geschafft, aber es war ziemlich teuer.

Wenn ihr mehr von unserer Reise sehen wollt, folgt mir auf Snapchat: pt.danifazekas

Schönen Tag euch allen!

Du magst vielleicht auch

Kommentar verfassen