Als wir Trail No. 1 verpassten

 

Rund 12 Stunden später stand ich etwas gerädert auf. Ich war mehrmals in der Nacht wach, weil Viki und Nasti dachten, dass irgendwelche Tiere in ihr Moskitonetz, das sich über das gesamte Bett spannte, eingedrungen wären. Das Baumhaus hat keine Wände sondern nur Vorhänge aus unterschiedlichem Material. Die Seiten Vorhänge waren aus wasserabweisendem Plastik, der vordere Vorhang aus leichtem Stoff, wobei für die Nacht ebenso ein Plastikvorhang zugemacht werden konnte. Jedenfalls hört man jedes Geräusch aus dem Dschungel ziemlich stark. Nicht nur, dass es Finster wie in einem Bärena**** ist, ist es durch die Tiere auch ziemlich laut. Das ist für unser Städter natürlich ziemlich ungewöhnlich.

Zum ersten Mal fiel mir bewusst auf, wie unnatürlich unsere Lebensweise zuhause eigentlich ist: die ganze Nacht ist es hell aufgrund der Lichter und in unseren Häusern ist es komplett still, als gäbe es keine Umwelt solange wir schlafen. Jedenfalls war ich etwas stolz auf mich, dass mich der Dschungel nicht weckte, sondern nur die beiden Menschen unter mir (ich schlief im Stockbett oben, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen).

Nach dem Aufwachen den ersten Schritt auf die Terrasse inmitten des Regenwaldes zu machen, war ein unbeschreibliches Gefühl. Die Tiere schienen leiser zu sein als in der Nacht. Es war schon warm und man hörte den kleinen Fluss der weit unter uns vorbei floss.

Wieder einer dieser Momente im Leben, die man festzuhalten versucht, obwohl man weiß, dass es nicht gelingt. Keine Worte der Welt, keine Smartphonekameras können das beschreiben, was man am anderen Ende der Welt um acht Uhr morgens im Regenwald erlebt.

Wir starteten den Tag mit einem herrlichen Frühstück, natürlich im costaricanischen Stil: Müsli, Eier, Bohnen, Reis, gebackene Bananen und Grillkäse. Ich liebe es übrigens noch immer.

Nachdem wir den gemütlichen Morgen auf der Terrasse lange genossen, machten wir uns auf zu einer kleinen Wanderung, die längstens 40 Minuten dauern würde, wie uns die Einheimische an der Rezeption versicherte.

Rund 15 Minuten später standen wir Knöchlhoch im Gatsch. Mit jedem Schritt wurden unsere Füße schwerer und wir kämpften uns durch eine von nasser Erde gebräunten Straße durch den Urwald.
40 Minuten später war kein Ende in Sicht. Aber wir erreichten ein Holzstück in Form eines Y, das links und rechts von Stacheldrahtzaun umgeben war.
Wir waren sicher, dass das der Weg zu unseren Lodges sein würde und überquerten eine Lichtung auf der eine Art Haus oder eher ein Verschlag stand, in dem ganz sicher Menschen leben. Es hing Wäsche dort und es standen auch Kochtöpfe herum. Wir sahen eine Feuerstelle und ein ziemlich natürliches WC. Wir folgten einem Weg zum kleinen Fluss hinunter, wo dann aber Schluss war. Rund um uns Wasser und Regenwald beschlossen wir einen anderen Weg zu suchen. Wir wanderten ein Stück weiter hinauf immer tiefer in den Regenwald hinein und – was ein bisschen verunsichernd war – immer weiter weg von unseren Lodges.
Anstatt der angekündigten 40 Minuten waren wir bereits 70 Minuten unterwegs und es war noch lange kein Ende in Sicht.
In jedem Film, in dem sich Menschen im Wald verirren, passiert eins von zwei möglichen Szenarien: es wird plötzlich dunkel oder es beginnt ein Tropenregen. Wir erwischten Nummer zwei.
Wir kehrten um. Viki, unsere Stimme der Vernunft, hat sich glücklicherweise durchgesetzt und wir gingen ziemlich zügig zurück. Während wir beim Hingehen noch Spaß hatten, Fotos machten und lachten, fühlten wir uns beim Heimweg plötzlich ziemlich fehl am Platz.

Schneller als erwartet waren wir wieder zurück beim Eingang unserer Unterkunft und da sahen wir dann das Schild: Trail No. 1.
Ja, Viki und ich haben es beim Weggehen gesehen, aber nicht weiter beachtet. So sind wir einfach daran vorbei auf einen völlig falschen Weg gegangen. Zum Glück ist Nast nicht sehr nachtragend 🙂

Wichtiger Reisetipp: Aufmerksam lesen und dann gleich denken 🙂

Nach einem gemütlichen Nachmittag mit Laptop, Kaffe und Papagei auf der Terrasse freue ich mich aufs Abendessen.

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