Eine Alternative zur Verdammung von Fitnessblogs

Heute habe ich auf der Facebookseite eines meiner Lieblingsonlinemagazine Edition F einen Artikel gefunden mit dem Titel: „Was im Leben wirklich zählt, kann man sich nicht im Fitnessstudio antrainieren“Die Autorin nimmt darin dazu Stellung, warum sie weitere Artikel und Blogs über Fitness für unnötig hält und diese in ihrer selbst ins Leben gerufenen Blogger-Community ausgeschlossen hat.

Ich habe tiefes Verständnis dafür, dass man bei den vielen Zeitschriften und Blogs, die sich ausschließlich mit dünn sein, Diät halten, Schlankheits- und Schönheitswahn beschäftigen, Aggressionen bekommt. Mir geht es genauso. Ich bin selbst Trainerin und ich weiß, wie wenig der propagierte #healthylife-Wahnsinn mit gesundem Leben zu tun hat. Es ist entsetzlich zu sehen, wieviele Mädchen und Frauen unter diesem Druck leiden und sich dadurch fast zu Tode hungern oder auch total überessen.

Dennoch finde ich diese verkürzte Darstellung und eine Reduzierung des Themas Fitness auf einen von Medien oder Blogs propagierten Schlankheitswahn für gefährlich. Ich betreibe selbst seit kurzem einen Fitness- und Motivationsblog und versuche anhand meines Zuganges zu erklären, warum ich Information zu Bewegung und Sport für sehr wichtig halte. Und warum ich vom Ausschluss von Information nichts halte.

Aufklären statt Information ausschließen

Die Sportwissenschaft ist eine sehr junge Wissenschaft daher werden viele Ansätze und Theorien weit häufiger widerlegt als in anderen Wissenschaften. Diese Erkenntnisse betreffen die Gesundheit unseres Körpers, daher halte ich es für sehr wichtig, diese auch über unterschiedliche Kanäle zu verbreiten. Und das sind nun einmal Print-, Audiovisuelle- und Onlinemedien. Klar ist, es geht dabei um die Art und Weise der Kommunikation und welche Bilder transportiert werden.

Ein Beispiel, um die Sache verständlicher zu machen:

Lange Zeit wurde in Aerobic- und Trainingsstunden erklärt, dass man bei Übungen in der Rückenlage die Lendenwirbelsäule in den Boden drücken soll, um ein Hohlkreuz zu vermeiden. Mittlerweile weiß man, dass diese unnatürliche Haltung der Wirbelsäule zu Schäden der Bandscheiben und auch des Beckenbodens führen kann, was gerade für Frauen gefährlich und daher sehr wichtig zu wissen ist.

Da die wenigsten InformationskonsumentInnen eine einschlägige sportwissenschaftliche Zeitschrift lesen, finde ich es sehr gut, dass Infos wie solche über Blogs, Zeitschriften oder Vlogs transportiert werden.

Bewegung darf kein Tabuthema sein

Dass wir in einer Generation leben, die sich zu wenig bewegt, das ist, glaube ich, unbestritten. Das viele Sitzen, sowie einseitige Bewegungen schädigen unseren Stützapparat, führen zu Verspannungen und Verkürzungen. Umso älter wir werden, umso mehr nehmen chronische Schmerzen aufgrund dieser Fehlhaltungen zu. Jemand, der den ganzen Tag im Büro vor dem Computer sitzt, anschließend vielleicht schweren Einkauf hebt und zwischen durch auf dem Handy tippt, hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verkürzte Brustmuskeln, überdehnte Rücken- und Nackenmuskeln, verkürzte Gesäßmuskeln etc.

Es ist dringend notwendig, dass wir uns alle mit den Themen Sport/Bewegungen/Fitness (wie immer man es nennen mag) beschäftigen, da wir sonst in immer jüngerem Alter körperliche und anschließend psychische Probleme bekommen werden. Dagegen kann und muss man etwas tun.

Kritischen Umgang mit Information fördern

LaufenIch glaube, dass es wenig Sinn macht, die einen oder anderen Arten von Blogs oder Artikeln irgendwo auszuschließen, nach dem Motto: „Wenn ich die Augen zu mache ist es weg.“ Ich bin davon überzeugt, dass es unser aller Aufgabe ist, Mädchen und Frauen zu mündigen und kritischen InformationskonsumentInnen zu machen. Wir leben in einer Generation, in der es (hoffentlich) immer mehr Wissen geben wird. Man kann so gut wie keine Information mehr einfach verbergen, indem man sie irgendwo ausschließt oder nicht hinschaut. Umso wichtiger ist, dass wir Artikel kritisch betrachten und dies auch veröffentlichen. Wir können einen kritischen und mündigen Umgang mit Information nur dann fördern, wenn wir uns damit beschäftigen, unsere Meinung und unser Wissen sagen und teilen. Wir können Mädchen und Frauen nicht komplett von Bildern mit abgemagerten Models schützen, aber wir können ihnen einen kritischen Umgang mit dieser Scheinwelt zeigen und wir können andere Bilder transportieren.

Ich persönlich poste oft Fotos auf Instagram oder facebook von meinem Training. Und ich kann mit Stolz behaupten, dass jedes Foto echt ist. So schaue ich vor, während oder nach dem Training aus: Ich bin verschwitzt, habe einen roten Kopf, meine Haare stehen zu Berge und ich habe Speckrollen und Falten. Keines meiner Fotos ist bearbeitet (abgesehen von Filtern), alles ist echt. Und ich schreibe oft dazu, wie das Training war. Manchmal fühle ich mich super, manchmal fühle ich mich nicht gut. Alle, die diese Fotos sehen, sollen darin ein echtes Leben von einem echten Menschen sehen und im Idealfall eine Idee bekommen, wie sie es selbst angehen könnten. Und ich möchte damit sagen: So schaue ich aus, wenn ich mich verausgabe und ich fühle mich sauwohl dabei!

Ja, ich bin auch gegen Konkurrenzkämpfe, gegen Schönheitswahn und gegen Neid. Denn ich bin für eine gemeinsame, motivierende und anregende Diskussion und Auseinandersetzung mit wichtigen Themen, damit wir uns weiterentwickeln und von der vielen Information profitieren können. Ich glaube, dass wir nur so gemeinsam gegen den Schlankheitswahn gewinnen können und Bewegung, die für unsere Gesundheit so wichtig ist (egal ob das ein Bootcamp, Klettern, Yoga oder sonst etwas ist) als etwas schönes und bereicherndes empfinden können. Und ja, darüber sollen wir auch sprechen, schreiben, uns ermutigen und einander unterstützen!Pushups

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1 Kommentar

  1. Da gebe ich dir völlig recht. Ich finde die Auswahl an Informationen, die ich dank Blogs kostenlos habe, toll – und auch die Möglichkeit, mir nur die Informationen ins Haus zu holen, die mich interessieren und ansprechen, weil sie mir neue Informationen liefern. Die Wahl kann ja jeder selber treffen, ich finde Fitnessblogs eher motivierend und informativ und ob nun in der Zeitung gedruckt, in Büchern oder in einem Blog: das eigene Denken sollte man nie ausschalten. Interessant, dass Sport von vielen immer gleich mit Abnehmen assoziiert wird – Bewegung ist einfach wichtig für jeden, soll gut tun und Spaß machen und es gibt viele gute Blogs, die genau das vermitteln.

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